Die Stärken des Internets
Mit den Stärken des Internets arbeiten - nicht mit den Schwächen. Negativ-Beispiel E-paper: Viele Verlage setzen heute auf die elektronische Zeitschrift oder Zeitung und dürfen sich noch eine blutige Nase holen. Denn die Lieferung eines Printproduktes via E-Mail oder als Download im Internet reproduziert nur dessen Schwäche.
Das Medium, das beim Kunden auf den Schirm kommt oder aus dem eigenen Drucker, bleibt einer Zeitschrift in fast allen Belangen unterlegen. Es ist optisch schlechter als das Printprodukt, Fotos bleiben ohne Glanz, die Haptik vermittelt kein sinnliches Erlebnis, die Lesbarkeit ist hübschhäßlich, das ganze Produkt besitzt keinen Stil.
Strategisch wichtig ist, dass ein Medium und sein Vertriebsweg optimal zueinander passen. Ein mediales Produkt muss sich seinen besten Absatzweg suchen und diesen auch finden. Prinzipiell gilt: Der Kunde bestimmt, auf welchem Lieferweg er sein Medium bekommen möchte. Mit technologischen Schwächen auf dem richtigen Vertiebsweg ist genauso blödsinnig wie mit dem richtigen Produkt auf dem falschen Vertriebsweg.
Vielmehr sollten wir mit den Stärken des Internets arbeiten und diese auf den richtigen Vertriebsweg einstellen. Und was sind die Stärken des Internets? Falls wir uns einig sind: Aktualität, Interaktion, Ubiquität.
Deshalb: Stärken ausspielen. Den Wertschöpfungsprozess vom neuen Produkt, vom Internet, her denken, nicht vom alten Produkt. Altes Produkt, neuer Vertriebsweg. Das geht schief! E-paper oder auch E-Book sind keine optimalen Produkte für den elektronischen Vertriebsweg. Zu viele Schwachpunkte. Zu schlechtes Endprodukt. Aber der Käufer hat das Anrecht auf ein optimales Produkt. Mit dem Internet muss sich ein altes Produkt neu erfinden.