Fotokiste: Arnett Cobb

Den Haag, im Juli 1978
Manchmal fragt man sich, welches der schönste Jazz-Song war, den man im Konzert erleben durfte. Viele, sehr viele, könnte ich da aufzählen. Ein Jazz-Moment aber fällt mir sofort ein.
Arnett Cobb, ein Tenorist mit einem dunklen, erdigen und vollen Ton, der auch The wild man from Texas genannt wird. Ein Autounfall hat ihm in den 50er Jahren beide Beine zertrümmert, so dass er sich nur auf Krücken fortbewegen kann. Da steht er dann auf der Bühne, zwischen zwei Krückstöcken eingehängt, hebt das wuchtige Tenorsaxophon, und bläst als ob es um sein Leben geht. Und wahrscheinlich geht es ja wirklich um sein Leben.
Arnett Cobb is back nennt er seine Schallplatte aus dem Jahr 1978. Und das ist er jeden Abend, bei jedem Konzert. Er ist zurück, dieser lyrische Tenor mit seinem ruppigen Ton, der kaum gehen kann.
Ihm zur Seite, Lionel Hampton, der Meister des Vibraphons, einer der ganz Großen der Swing Ära. Schon seit 1942 musizieren sie zusammen. Sie spielen einen langsamen Song, eine Ballade, ich glaube es war Misty von Erroll Garner. Nur die beiden. Tenorsaxophon und Vibraphon. Alleine auf der Bühne. Unerreicht. Es ist ganz still im Saal. Vollendet. Sie sind jetzt ganz nahe bei Gott.
Mai 4th, 2008 at 21:13
Wunderbar, daß Sie an diesen großartigen Musiker erinnern. Leider ist er heute fast vergessen. Ich werde heute Abend eine CD von ihm hören. Nochmals herzlichen Dank!
Christian Stüvenberg