Engel und Paradies

engelverona.jpgDass in Deutschland die Kluft zwischen Armen und Reichen grösser wird, dass es immer mehr Bedürftige gibt, dies braucht mir kein oberschlauer Professor vorzurechnen. Da genügt mir ein Blick in RTL.

Bei RTL & Co werden zu bester Sendezeit Schulden weg beraten, heruntergekommene Häuser renoviert, da wird mittellosen Familien von einem sogenannten Engel geholfen oder es werden ungeratene Kinder von TV-Nannys erzogen und entlaufene Strassenkinder wieder nach Hause gebracht.

Ich mag RTL, weil die Sendephilosophie immer für einen Einblick in das wirkliche Leben gut ist. Beim Zuschauen dieser Hilfe-Sendungen merkt man richtig, wie tief dieses Land nun schon abgestiegen ist. Doch der Blick alleine auf Hartz IV und das Ökonomische wäre zu eng.

Die Sendungen zeigen auch auf, wie brüchig mittlerweile traditionelle Hilfsformen geworden sind: der Beistand der Sozialämter für wirklich Hilfsbedürftige, die Unterstützung durch die Eltern und Großeltern, der Zusammenhalt der Ehepartner, die vermittelnde Unterstützung durch die Pfarrei, die Solidarität der Nachbarn.

Und in dieses Hilfe-Vakuum springt dann RTL. Unsere heutige Gesellschaft zahlt einen hohen Preis für Individualisierung und Säkularisierung. Und diesen Preis zahlen, verehrte 68er, vor allem die Armen und die Schwachen.

Wohl denn. Dann gibt es halt den Engel nur in Gestalt von Verona Pooth in der Glotze. Und das Paradies ist zukünftig eben das Ferienparadies im Sonnenschein-Kanal.

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