Amazon und der Buchhandel

schneefall-cover.jpgMein wunderschöner Reportageband Schneefall in den Tropen rangiert heute bei amazon.de auf Platz 56.910. Im März habe ich 4 Exemplare verkauft. Da will ich nicht meckern! Denn hunderttausende Bücher finden sich bei amazon auf gar keiner Liste wieder, weil von ihnen kein einziges Exemplar abgesetzt wird. Aber die Regalmeter von amazon sind ja bekanntlich unendlich lang.

Ob amazon eine, zwei, drei oder fünf Millionen Titel im Angebot führt – das ist ziem­lich wurscht. Ein normaler Buchhändler kommt auf, sagen wir, 5.000 verschiedene Titel. Ein Megastore wird nicht über 80.000 Buchtitel hinauskommen.

Der Amerikaner Jeff Bezos und sein Unternehmen amazon schreiben eine Erfolgsgeschichte, wie nur wenige in der digitalen Welt. Ohne hohe Mieten oder teure Kataloge ist amazon dem traditionellen Buch- und Versandhandel betriebswirtschaftlich weit überlegen.

Soll der herkömmliche Buchhändler sich deshalb einen Strick besorgen? Mit dem unendlichen Regal kann praktischerweise kein stationärer Händler mithalten. An diesem Umstand wird deutlich, in welche Falle ein Buchhändler jedenfalls nicht tappen sollte: in sei­nem Programmangebot den digitalen Wettbewerbern quantitativ hinterher zu hecheln. Diesen Wettlauf würde jeder Buchhändler verlieren. Un­sinnig bleibt es für Buchhändler weiterhin, eben­falls ins Internet zu investieren - da würde man gegen den Profi Jeff Be­zos ziemlich alt aussehen.

Vielmehr sollte der Buchhändler zu den virtuellen Bezos dieser Welt ein fassbares Kontrast­programm auf­bauen. Nicht die Unendlichkeit des Angebots sollte das Konzept sein, sondern die Kon­zentra­tion auf die Wünsche des Publikums. Nicht den Mausklick imitieren, sondern dem Kunden das Erlebnis Einkauf vermitteln.

Über eine klare Zielgruppenorientierung, einen gu­ten Kundenservice, über kompetente Beratung, stimmige Events und eine einnehmende Präsentation sollte der Buchhändler seinen Gegenentwurf zum Internet-Verkauf entwickeln. Die Schwäche des Internet-Verkaufs - die fehlende Emotion beim Kauf, dieses Nicht-Lustwandeln, die nicht mög­liche überra­schende Entdeckung des Nichtgesuchten - all dies muss der stationäre Buchhan­del zu seiner Stärke ausbauen.

Die Stär­ken des Internet-Verkaufs kopieren zu wollen, wäre hingegen töricht. Ein kluger General wird immer das am wenigsten bewachte Tor angreifen.

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