Andreas Wiele: starke Marke - alle Kanäle
Auf der Jahrestagung der European Business Press (EBP) letzten Donnerstag in Frankfurt erzählte Andreas Wiele ein hübsches Erlebnis aus der Musikindustrie. Bei einer Branchentagung in den USA Mitte der 90er Jahre, gerade war ein Megavertrag mit Sängerin Madonna unterzeichnet worden, war die Stimmung prächtig und der Champagner floss. Bis als Gastredner dann der renommierte MIT-Professor Nicholas Negroponte aus Boston ans Mikrophon trat und der Branche ein Zukunftsszenario entwarf.
In 10 Jahren werde man keine CDs mehr verkaufen, so Negroponte, die Fans würden sich die Songs aus dem Internet herunterladen. Betretenes Schweigen. Dann ging der Veranstalter ans Mikrophon und sagte: Ich entschuldige mich für den Vortrag. Wenn ich gewußt hätte, was dieser kleine Professor so von sich gibt, dann hätte ich ihn nicht eingeladen.
Heute wissen wir es besser. Negroponte hatte recht. Und Andreas Wiele, Vorstand für Zeitschriften und die BILD-Gruppe beim Axel Springer Verlag, überbrachte den EBP-Verleger eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht zuerst: Den Printmedien wird es genauso ergehen. Und jetzt die gute Nachricht: Das Tempo wird viel langsamer als in der Musikindustrie sein.
Denn die Lesergeneration - jene Jahrgänge, die durch das geschriebene Wort sozialisiert sind - wird noch lange leben. Die heute 40- und 50-Jährigen werden noch einige Jahrzehnte Printprodukte goutieren. Die jungen Generationen hingegen sind mit digitalen Angeboten aufgewachsen. Die Aufgabe der Verleger muss nun sein, so Wiele in seiner eleganten Analyse, diese neue Generation auch mit digitalen Angeboten zu bedienen, sonst würden dies Branchenfremde tun.
Letztlich bleibt es ja gleich, ob BILD oder Die Welt als Zeitung oder als Online-Medium genutzt werden. Die Marke muss verschiedene Kanäle bedienen. Bei Axel Springer hat man sich ein ehrgeiziges Ziel gestzt: Bis 2010 sollen 15 Prozent des Umsatz aus Online-Quellen stammen. 2007 hat man immerhin die Marke von 8,5 Prozent geschafft.
April 21st, 2008 at 18:57
Die Marke ist das zentrale Anliegen, nicht die Verpackung. Es gibt Suppen in Tüten und in der Dose. Beide Märkte bedienen und monetarisieren. Das ist kluges Verlegen.