Fotokiste: Havanna

Havanna, im April 1983
Was man heute nicht mehr so recht weiß, Cuba hat sich erst 1985 dem westlichen Tourismus geöffnet. Bis dahin war nicht viel, eher Richtung Nordkorea, aber mir gelang es, im Frühjahr 1983 auf die Insel zu kommen. Mit einer Gruppe Reisender aus Mexiko.
Havanna strahlt den Charme des sympathisch Verlotterten aus: zerstörte Strasse, zerbröselnde Hausfassaden, ärmlich gekleidete Menschen. Aber alle Pein wird mit einem Lächeln, einer Salsa-Melodie und einem Schluck Rum ertragen. An den Strassen statt kapitalistischer Reklame nun politische Reklame. Patria o Muerte. Vaterland oder Tod. Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!
Wir wohnen im Capri, einem hohen, breiten Luxushotel, dem man die Jahre so langsam ansieht. In vorrevolutionären Tagen hatte die Mafia Cubas Hauptstadt fein aufgeteilt, Havannas Nächte hörte auf das Kommando der Bosse aus Chicago oder New York. Über das Capri herrschte Nicholas di Constanzo. Wenn Al Capone in Havanna weilte, ließ er sich immer das Zimmer 615 des Hotel Sevilla in der Calle Trocadero reservieren.
Die wenigen Touristen aus kapitalistischen Ländern werden neugierig beäugt und aufdringlich belästigt. Haste mal ‘nen Dollar, ‘nen Kaugummi, ‘nen Kugelschreiber? Willst de mal ‘ne Havanna-Zigarre, ‘ne Flasche Rum, ‘nen heißen Tipp. Die hübschen Frauen lächeln auch häßliche Männer an.
Jenseits der Propaganda bekomme ich Gelegenheit mich von der Qualität des cubanischen Gesundheitswesen zu überzeugen. Kurz vor Mitternacht plagen mich grausige Schmerzen im Ohr. Rechts. Der Nachtportier schickt mich zur nächstgelegenen Hospitalambulanz.
Ich tigere durch das laue nächtliche Havanna. Das Calixto-García-Krankenhaus liegt gleich neben der Universität und verarztet seine Patienten in drei Schichten rund um die Uhr. Ein etwas verschlafener HNO-Arzt diagnostiziert eine Vereiterung im Ohr und verschreibt Antibiotika. Als ich nach dem Preis der Behandlung frage und das Portemonnaie zücke, wehrt mein Ohrendoktor ungerührt ab. „Kostet dich nichts. In Cuba ist Krankenbehandlung umsonst.“ Duzen inbegriffen. Man dankt. Eine adrette Krankenschwester winkt mir nach.
September 15th, 2008 at 08:24
Auch ich mag die Insel. Ich war jedoch erst im Jahre 2000 dort.