Internet-Strategie?

Bisweilen kommt mir die Entwicklung des Internets vor wie die große Seereise des Christoph Kolumbus. Kolumbus meinte das Ziel zu kennen, kam dann aber doch ganz woanders an. Kolumbus betete jeden Morgen für frischen Wind. Jede Stunde blieb eine Herausforderung und jeder Tag war ein Abenteuer.

Sicherlich, ein Reiseziel kann man sich wünschen, dies ist nicht verboten. Aber Internet-Strategie? Mißtrauen Sie jedem Unternehmer, der kundtut, er besäße eine Internet-Strategie. Wer das sagt, ist entweder ein Schwindler oder ein Dummkopf. Es kann keine Internet-Strategie geben. In Sachen Internet gilt trial and error. Versuch und Irrtum. Mehr ist nicht drin.

Nicht wir haben das Internet in der Hand, das Internet hat uns in der Hand. Man kann das Internet nicht strategisch behandeln, bestenfalls taktisch. Länger als sechs Monate voraus zu schauen und voraus zu sagen, ist bei dem hohen Innovationstempo und dem sprunghaften Kundenverhalten eh albern.

Der Umgang mit dem Internet erinnert mich manchmal an das Brettspielen mit einem Kleinkind. Dabei kann man eine Menge lernen. Der Erwachsene hält sich akribisch an die Regeln, die Bedienungsanleitung in der Hand und will Kontrolle behalten. Das Kind aber sagt: Papa, vergiss die Regeln, lass uns mal nach meinen Regeln spielen. Und das Kind erfindet spontan seine eigenen Regeln. Und siehe da: Wenn man sich auf das kindliche Spiel einlässt, dann macht es plötzlich mehr Spass.

Machen wir uns nichts vor: Das Internet diktiert uns seine Spielregeln. Die Verleger sind Objekt, nicht Subjekt. Wir sind nicht Strategen, wir sind Spieler. Noch schlimmer: Wir werden gespielt.

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