Entmannt die Sprache!

Vor ein paar Tagen forderte die Gleichstellungsbeauftragte des Südwestrundfunks, Anja Görzel-Bub, eine geschlechtergerechte Sprache. Aus dem maskulinen Zuschauer sollte das neutrale Publikum werden. Zuhörer sollten im SWR tunlichst zu Zuhörerschaft oder Auditorium mutieren. Dieser Appell zum Gutsprachentum darf nicht ungehört bleiben!

Denn wenn ein Mann grinst, dann ist er ein Strahlemann. Wenn aber eine Frau grinst, ist sie noch lange keine Strahlefrau. Das ist ungerecht, da hat Frau Görzel-Bub recht. Eigentlich ist ja auch der Name Frau Bub zutiefst ungerecht. Jedenfalls für eine Frau. Für einen Mann ist er gerecht.

Sprachlich sind wir ja alle kleine Sünder und Sünderinnen. Eine Schwimmannschaft kann kurioserweise nur aus Frauen bestehen, bei jedermann sind auch Frauen angesprochen und dem Mann von Welt gesellt sich keine Frau von Welt. Sollten wir folglich unsere deutsche Sprache entmannen?

Vor Jahren versuchten sich die Franzosen einmal in der Feminisierung der Berufsbezeichnungen. So sollte aus dem docteur oder der Madame, le docteur doch endlich etwas eindeutig weibliches werden. Aber wie feminisiert man docteur? Docteuse, doctoresse oder gar doctrice? – nach ein paar Monaten gab man den Versuch entnervt auf.

Trotz allem sollten wir Männer mehr Sensibilität walten lassen. Insbesondere müssen jene Schimpfkanonaden verschwinden, die eindeutig feminin diskriminieren. Also nie mehr blöde Kuh, dummes Huhn, nie mehr wollen wir jemanden zur Minna machen. Und auch der Boykott muß weg und wird entsprechend zum Girlkott.

Jetzt höre ich aber wieder die Männerwelt schreien. Man müsse – so werden die Burschen mit einigem Recht fordern – dann auch dem Räuber die Räuberin, dem Gangster die Gangsterin zur Seite stellen und aus einem negativ besetzten Begriff wie Ballermann Nr. 6 müßte – logo – die Ballerfrau Nr. 6 werden. Und wo bleibt die Biederfrau zum Biedermann?

Ich will hier nicht zum Buhmann aller Blogger werden, aber – gleiches Recht für alle – wenn, dann muß natürlich auch eine Buhfrau her. Und sollte uns mal ein Spitzbube über den Weg laufen, so müssen wir dann auch ein Spitzmädel thematisieren.

Was für den Menschen recht ist, kann für die Tierwelt nur billig sein. Also werden wir uns neben dem Adler an die Adlerin gewöhnen müssen und neben Fauna fordert auch Flora Gleichberechtigung, womit wir dann bald auch zwischen Baum und Bäumin unterscheiden dürften.

Wo um Himmels Willen soll dieser sprachliche Gerechtigkeitswahn bloß enden? Nicht dass dem 1. April irgendwann auch noch eine 1. Aprilin zur Seite gestellt werden muß.

Wie beurteilen Sie diesen Eintrag?

2 Gedanken zu „Entmannt die Sprache!

Kommentare sind geschlossen.