Der Kevinismus
Wer ist der Chef? Kevin Müller oder Johannes Müller? Sprachforscher haben die Vornamen der deutschen Kinder unter die Lupe genommen und Interessantes zu Tage gebracht. Angloamerikanische Namen wie Kevin, Justin, Mandy oder Peggy werden häufig in Unterschichtsfamilien vergeben.
Über die Ursachen wird gerätselt. Wahrscheinlich spiegeln die angelsächsischen Namen für ihre Familien so etwas wie Weltläufigkeit wieder, das reiche Amerika erträumend, der Mythos vom Tellerwäscher zum Millionär und damit der Wunsch etwas von diesem Wohlstand zu erheischen.
Auch die kulturelle Nähe und die Wertschätzung spielen sicherlich eine Rolle. Die Auswanderung von Unterschichten gerade in die USA und nach Kanada passt hier ins Schema.
Insofern deutet der Kevinismus, in der weiblichen Form der Chantalismus, auf die Sehnsucht der Unterprivilegierten nach Aufstieg und Reichtum. Schön klingen soll der Vorname obendrein. Auch hier offenbart sich der Wunsch nach Harmonie und Glück.
Die deutsche Oberschicht hingegen grenzt sich mit urdeutschen oder biblischen Namen wie Johannes, Paul oder Maximillian von den unteren Schichten ab. Die Oberen achten bei der Namensgebung stärker auf Tradition, verwenden eher die Vornamen von Eltern und Großeltern.
Denn in der Tat ist es so, dass der Vorname eines der wenigen Statusmerkmale ist, der ohne Kosten und Hürden zu vergeben ist.