Fotokiste: Mi Buenos Aires

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Buenos Aires, im Januar 1988

Als ich Mitte der 80er Jahre zum ersten Mal nach Buenos Aires komme, ist dies eine Großstadt, in der so vollgestopfte Buchhandlungen zu finden sind wie sonst nirgendwo in Amerika. In jenen Tagen brauchen sich die Theater, die Kinopaläste und Musikhallen nicht vor denen Italiens oder Frankreichs zu verstecken. Die Gesinnung dieser Stadt ist savoir vivre und la dolce vita in einem.

Dieser Ort ist eine Oase der Lebenslust mit kleinen Cafés, wo man sein Glas tinto nippt, ein Ort mit chic gekleideten Frauen und Männern, die in adretten Fußgängerzonen promenieren. Buenos Aires vermittelt den Eindruck einer dem Genuss und den schönen Künsten zuneigenden mediterranen europäischen Stadt.

In San Telmo, dem Künstler- und Studentenviertel mit seinen heimeligen Kneipen und den kleinen Restaurants, lassen sich talentiertere Musikanten entdecken als in Barcelona oder Lissabon. An den Sonntagen breitet der Trödelmarkt seine Waren aus, und an angestaubten Folianten und wieder blank polierten Grammophonen lässt sich ablesen, dass diese Nation von Einwanderern gegründet wurde.

Meist in ein angenehmes sonnenverwöhntes Wetter gehüllt, kommt diese Stadt an guten Tagen daher wie eine tropische Mischung aus Florenz und Paris. Buenos Aires erscheint mir als Weltstadt, die in ihrem Herzen aussieht wie die schönste aller europäischen Metropolen, deren blankes Elend jedoch nur vier Straßenzüge hinter dem Zentrum beginnt und deren Ärmlichkeit sich endlos in die Peripherie hineinfrisst.

Wenn man in diesen besseren Jahren abends ein Restaurant besucht und sein Asado, die über dem offenen Feuer gegrillte Rinderlende, bestellt, so bekommt man auf einem großen Teller das Fleisch, das zudem noch über den Tellerrand schlägt und erst auf einem zweiten, etwas kleinerem Teller werden die Beilagen, meist Kartoffeln und Gemüse, gereicht.

Und in den Jugendstil-Cafés, die in den Querstrassen der Calle Lavalle zu finden sind, glaubt man sich in die Wiener Kaffeehäuser mit ihren ornamentierten Wandmalerein der Jahrhundertwende um 1900 zurück versetzt. An den kleinen Tischen trinken die Argentinier, jung und alt, gemächlich ihren café cortado und erörtern die Lage im allgemeinen und besonderen.

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