Fotokiste: Dr. Hero Kind

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Hero Kind mit Gertrud Höhler; Frankfurt, im Oktober 1991

Altverleger Erwin Barth von Wehrenalp mußte seinen Verlag verkaufen, jetzt kam der junge Hero Kind. Und mit ihm zog eine ganz andere Generation in den ECON Verlag ein.

Der promovierte Jurist hat den Verlag von 1982 bis 1994 geleitet, und er schaffte es, ECON zu einem modernen Sachbuchverlag zu verändern. Vor allem hat Hero Kind dabei den Markencharakter von ECON betont und mit brillantem Gespür - von der Vorschau über die Autorenauswahl bis zur Covergestaltung - eine neue Qualität und Ästhetik entwickelt, die damals als state-of-the-art galt.

Kind sah gute Bücher nicht als austauschbare Massenware. Deshalb hat er dem ECON Verlag und seinen Büchern ein frisches, eigenständiges Profil verpasst. Auf ihn geht der feine Schriftzug in Helvetica und der vertikale rote Balken zurück, das Markenzeichen des Verlages über viele Jahre. Kind trimmte ECON auf Wiedererkennung. Bücher als Markenprodukte, das begann die Branche erst langsam zu erkennen, ihm war das sehr früh klar.

Kind und sein ECON Verlag residierten in der Kaiserswerther Strasse 282 im feinen Düsseldorfer Norden. Mit lausbübischem Charme hat er unaufgeregt über seinen Verlag regiert und innovativ gewirkt: Er ließ den Jil Sander- und Joop-Designer Peter Schmidt Taschenbuchcover entwerfen, er brachte die SINUS-Lebensweltenanalyse in die Buchwelt ein und er holte frische Vor- und Querdenker wie Norbert Bolz, Peter Glotz oder Tom Peters als Autoren in den Verlag.

Heute wird mit zeitlichem Abstand klar, dass Kind seiner Zeit sicherlich fünf bis sieben Jahre voraus war. Strategische Ansätze wie Zielgruppenvernetzung, Kundenbindung und neue Ästhetik wurden erst viel später in ihrer Wichtigkeit von der Branche aufgenommen. Kind war ein pragmatischer Stratege, der offen blieb für Neues. Er war zudem jemand, der ein gutes Näschen für Trends besaß und vor allem ein feines Gespür für Qualität und Erneuerung. Eigentlich kann man erst jetzt erkennen, wie gut dieser Mann war.

Im Jahr 1996, da hatte er bereits seinen eigenen Metropolitan Verlag, da ist er an einem Sonntagabend einfach umgefallen. Im besten Mannesalter. Er lag tagelang im Koma, doch der liebe Gott hatte ein Einsehen. Hero Kind erholte sich und genießt heute sein Sylt.

Von all meinen Vorgesetzten hat er mich am nachhaltigsten geprägt. Und von ihm habe ich mir eine Menge abgeschaut. Nicht zuletzt, dass man mit Mitarbeitern offen und fair umgehen sollte.

Erwin Barth von Wehrenalp war der erste ECON-Verleger, Hero Kind der zweite. Danach kam nichts mehr. Jedenfalls kein Verleger. Nur noch Manager.

siehe auch: Fotokiste Erwin Barth von Wehrenalp
siehe auch: Hero Kind auf Sylt

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