Stanford University: Keine Studiengebühren mehr für Arme
Die Stanford University, eine halbe Stunde südlich von San Francisco bei Palo Alto gelegen, ist nicht nur eine der schönsten und besten Universitäten der Welt, sondern zugleich auch eine der teuersten. Das Studium an dieser kalifornischen Elite-Schmiede ist kein billiges Vergnügen. Über den Daumen gepeilt, muss man pro Jahr mit ca. 40.000 Dollar tuition fees, den Studiengebühren, rechnen. Zuzüglich etwa 20.000 Dollar für Unterkunft und Verpflegung. Da kommen während des Studiums schnell mal 200.000 Dollar zusammen.
Für das Geld jedoch erhält man eine erstklassige Gegenleistung. Ein wunderschöner Campus mit allen Annehmlichkeiten, Dozenten, die sich oft nur um 4 oder 5 Studenten zu kümmern haben, 16 Nobelpreisträger als Professoren und jeder Vorlesungssaal mit modernster Technik und eigenem Techniker. Und vor allem: Ein offenes und kreatives Ambiente auf dem Campus, Firmen wie Google, Yahoo oder SUN wurden hier von Studenten gegründet. Stanford muss den chronisch unterfinanzierten deutschen Hochschulen wie ein akademisches Schlaraffenland erscheinen.
Die Aufnahmeprüfung ist knallhart. Nur 15.000 Studenten sind in Stanford eingeschrieben, auf einem weitläufigen Campus, größer als eine Kleinstadt. Durch Studiengebühren, Spenden und Zuwendungen der Alumni, der Ehemaligen, haben die amerikanischen Universitäten ein Vermögen angehäuft, das für deutsche Ohren unvorstellbar klingt. Stanford beispielsweise besitzt ein Stiftungsvermögen von 18 Milliarden Dollar, das professionell verwaltet, jährlich zweistellig wächst.
Deshalb lässt jetzt eine Nachricht aufhorchen, die aus Kalifornien kommt. Die Stanford University erlässt Studenten aus armen Familien ab sofort die Studiengebühren inklusive Nebenkosten für das undergraduate-Studium. Das scheint mir eine verrückte Entwicklung: Die mittelmäßigen deutschen Universitäten beginnen zaghaft Studiengebühren zu verlagen, eine amerikanische Top-Uni schafft die Studiengebühren für wenig Betuchte ab.
Ein anderer Umstand ist bemerkenswert. Nämlich wie Stanford den Begriff Armut quantitativ fasst. Bei einem jährlichen Familieneinkommen der Eltern von unter 100.000 Dollar werden fortan keine Gebühren mehr fällig. 100.000 Dollar, das sind knapp 70.000 Euro, gelten für Stanford als “Armutsgrenze”. Mit 70.000 Euro gehört man in Deutschland zum wohlsituierten oberen Mittelstand. Auch daran mag man erkennen, wie weit Deutschland abgerutscht ist.