Fotokiste: André Kostolany

Düsseldorf, den 23. Mai 1991
Des öfteren hatte ich das Vergnügen, André Kostolany vom Düsseldorfer ECON Verlag nach Köln zu fahren, wo er immer im Excelsior Hotel Ernst am Dom zu übernachten pflegte.
Kosto, damals schon gut in den Achtzigern, war ein wacher Kopf. Allerdings nur bis Leverkusen. Dann nickte er weg und wachte erst wieder auf, wenn ich vor dem Hotel Ernst auf die Bremse trat.
Die halbe Stunde jedoch von der Kaiserswerther Strasse in Düsseldorf bis zum Leverkusener Kreuz gehörte der amüsanten Konversation und da zeigte sich der Börsenphilosoph als ein ganz ausgeschlafener und schlagfertiger Gesprächspartner.
Bei einer Fahrt, es war Frühjahr 1989, sprachen wir über den Fall des Eisernen Vorhangs. Gerade hatte der ungarische Außenminister Gyula Horn Teile des Grenzzaunes zwischen Ungarn und Österreich eigenhändig eingerissen und die Freiheitsbewegung war kurz davor, dem Kommunismus den Garaus zu bereiten. Aufbruchstimmung überall im Osten.
Und ich fragte Kosto, den gebürtigen Ungar: “Sagen Sie, was ist für Ungarn der kürzeste Weg zur Freiheit?”
Kosto überlegte einen Augenblick und antwortete dann trocken: “Der kürzeste Weg für die Ungarn in die Freiheit ist die Autobahn von Budapest nach Wien.”
Fünf Minuten später war er eingeschlafen.