Fotokiste: Gregorio Fuentes

Cojímar/Cuba, im April 1983
In Sachen Hemingway ist Gregorio Fuentes die beste Adresse in Cojímar. Der rüstige Gregorio - der Gallego, aus dem nordspanischen Galizien stammend - wohnt mit seiner Frau in einem kleinen, gemütlichen Häuschen oberhalb der Dorfstraße. Von 1938 bis zu Hemingways Tod war er der Kapitän der Pilar. Eigens für den Schriftsteller war das Motorboot 1936 gebaut worden, und oft fuhren die drei - Gregorio, Hemingway und Frau - zur Fischjagd aus.
Gregorio nannte seinen berühmten Chef Papa, wie alle Freunde, er ihn jovial Viejo, meinen Alter. Und nun hat er, der Viejo, seinen Papa, der sogar ganze elf Tage jünger war, schon Jahrzehnte überlebt. Die Fischer aus Hemingways Romanen tragen unverkennbare Züge von Gregorio und Carlos Guttiérez, dem ersten Kapitän der Pilar. Gregorio ist der Antonio in Inseln im Strom, und in The Great Blue River lässt Hemingway seinen Gregorio, als ein kapitaler Fang an der Leine zappelt, in dessen breitem cubanischen Akzent brüllen: “Feesh, Papa, feesh”.
„Eigentlich kannte ich Papa schon seit 1931. Später holte er mich als seinen Kapitän“, erinnert sich der wettergegerbte Gregorio, dem seine Havanna ins Gesicht gewachsen zu sein scheint. „Morgens um acht ging es raus, bei Einbruch der Dunkelheit zurück. Oft drei Tage hintereinander. Das brauchte er. Um seine Gedanken freizumachen.“
Einmal, da trafen sie auf ihren Angeltouren einen alten Mann und ein Kind, beide aus Pinar del Rio, die schon tagelang nichts mehr gefangen hatten. Papa machte sich ein paar Notizen. So einfach war das.
Gregorio kramt aus seiner Schublade einige vergilbte Fotos. Wie sein Charakter war? Sprunghaft? „Überhaupt nicht. Immer fröhlich, immer geradeaus. Der Kopfschuss aber hat mich nicht überrascht. Er war sehr schlecht dran. Ich auch“, sagte Gregorio, während er auf seiner La Gloria Cubana schmaucht.
„Es waren die Tage der Söldnerinvasion in der Schweinebucht.“ Und einige Wochen nach Papas Tod sei der Comandante persönlich hier nach Cojímar in sein Haus gekommen und habe ihm befohlen, Gregorio, jetzt musst du auf die Pilar acht geben. Er habe sie wie einen Schatz gehütet, bis sie dann damals im Museum gelandet sei.
Als wir uns von Gregorio verabschieden wollen, packt mich der Greis mit festem Griff am Handgelenk. „Hemingway war gut zu Cuba, sag das deinen Lesern.“
Gregorio Fuentes ist im Januar 2002 gestorben, im Alter von 104 Jahren. Der alte Mann und das Meer hat er nie gelesen.
siehe auch: Hotel Hemingway
siehe auch: La Finca Vigía