No Nokia?
Heute hat der finnische Nokia-Konzern in Rumänien sein neues Werk eingeweiht, das die Fabrik in Bochum ersetzen soll. Bei dem Festakt im nordwestrumänischen Jucu waren Nokia-Vizechef Juha Putkiranta sowie rumänische Regierungsvertreter anwesend. In dem Werk, das offiziell erst im Laufe des Jahres seinen Betrieb aufnehmen wird, sollen Ende 2009 insgesamt rund 3.500 Menschen arbeiten.

Die Nachricht aus Rumänien zeigt, die Nokia-Arbeitsplätze fallen nicht weg, sie entstehen nur woanders. Anstatt über die Ursachen hierfür nachzudenken, finden wir in Deutschland nur Larmoyanz und Symbolismus. Die SPD startet eine Unterschriftenliste, CSU-Minister Horst Seehofer nutzt sein Nokia-Handy nicht mehr und die nordrhein-westfälische Landesregierung will gewährte Subventionen zurück. Und auch viele Bürger wollen ihr Nokia-Handy auf den Müll werfen.
Dieses törichte und trotzige Verhalten wird genährt, weil die Deutschen immer noch nicht die Spielregeln der Globalisierung verstehen oder verstehen wollen. Landesgrenzen sind - glücklicherweise - unwichtig geworden. Das Kapital wandert dorthin, wo es seine Produkte am günstigsten herstellen kann. Übrigens nicht zuletzt deshalb, weil die Konsumenten nach immer günstigeren Produkten verlangen.
Die deutsche Textilindustrie ist schon in den 60er Jahren nach Fernost abgewandert, Schuhe kommen heute aus Pakistan, Anzüge aus der Türkei und Blazer aus China. Wer albernen Boykottaufrufen folgt, der findet sich alsbald ganz ohne Kleidung da. Ohne Handy sowieso.
Schon seit David Ricardo, seit über 200 Jahren, wissen wir, dass Nationalökonomien die Herstellung jener Produkte an sich ziehen, mit denen sie sich im internationalen Handel relative Wettbewerbsvorteile schaffen. Dies ist Teil der internationalen Arbeitsteilung und nun fällt die Speckseite auch einmal auf Rumänien.
Deutschland hingegen muss sich auf das High end der industriellen Fertigung konzentrieren. Auf Forschung und Entwicklung, auf Vermarktung, auf Logistik und Vertrieb komplexer Lösungen. Deutschland muss auf Zukunftsbranchen setzen: auf Biotechnologie, auf Informatik, auf Medizintechnik, auf Pharmazie.
Bitter, aber wahr: Die Zukunft des Hochlohnlandes Deutschland kann jedenfalls nicht darin liegen, Handys zusammen zu schrauben.