DER neue SPIEGEL
Der heute erscheinende SPIEGEL mit der Nummer 07/2008 bedeutet eine Zäsur. Es ist das erste Heft ohne Stefan Aust. Aust, immerhin 13 lange Jahre mit beträchtlichem Erfolg Chefredakteur des Hamburger Nachrichtenmagazins, war über Monate hinweg gemobbt, dann gekündigt und schließlich letzten Dienstag von der Arbeit freigestellt worden.
Die beiden neuen Chefredakteure kommen aus dem Haus: Mathias Müller von Blumencron, bisher Chef von SPIEGELonline, und Georg Mascolo, der Leiter des Berliner Büros, teilen sich die Aufgabe, die Redaktion der Zeitschrift zu führen. Beide sind Mitte 40 und symbolisieren den Generationswechsel an der Brandstwiete 19.
Die wohltuend uneitle Hausmitteilung der neuen Chefredakteure verspricht für die Zukunft mehr Meinungsfreude und weiterhin investigativen Journalismus. Auch Selbstkritik ist den neuen SPIEGEL-Machern kein Fremdwort.
Also ein Wechsel zum Besseren? Man wird sehen. Die erste Ausgabe jedenfalls zeigt handwerkliche Schwächen. Das Cover, das Aushängeschild des Magazins, ist eines der Schlechtesten seit langem. Es zeigt einen Barack Obama vor einem schwarzen Hintergrund. Durch das Gegenlicht sieht der US-Präsidentschaftskandidat optisch freigestellt aus, die Proportionen stimmen nicht, die amerikanischbunte Typografie kommt infantil daher.
Das Titelthema zeigt auch, wie begrenzt der Einfluss des Hamburger Magazins mittlerweile geworden ist. Es ist den SPIEGEL-Journalisten nicht gelungen, ein Interview mit dem amerikanischen Hoffnungsträger zu ergattern.
Kein guter Start, denn gerade am Kiosk zeigt DER SPIEGEL Schwächen. Die Auswahl des Covers ist beim SPIEGEL traditionell Privileg der Chefredaktion, der die Grafikabteilung verschiedene Vorschläge unterbreiten muss. Versuch Numero Uno ging jedenfalls in die Hose.
Gut verkäufliche, plakative Titel sind ein Erbe von Stefan Aust und seine Meßlatte liegt hoch. Eine Million Exemplare wurden unter Austs Ägide jede Woche vom SPIEGEL im Abonnement und Einzelverkauf abgesetzt. Die neuen Chefredakteure sollten nicht arg drunter bleiben.