Fotokiste: The Great Hall of the People

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Peking, den 15. Mai 2007

Pekings Tiananmen-Platz wirkt wie ein Panoptikum des chinesischen Kommunismus. Im Westen steht die Great Hall of the People, ein im klassizistischen Stil errichter Monumentalbau, wie ihn Diktatoren von Mussollini bis Stalin so schätzten. In der Mitte des Platzes darf man das Mao-Mausoläum bewundern und zugleich eine Eigenart von Diktatoren: sich für die Nachwelt ausstopfen zu lassen.

Auf dem Platz proklamierte Mao am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China, und hier wurden am 4. Juni 1989 mehr als 2.600 studentische Protestanten von Soldaten niedergemetzelt. Tor des Himmlichen Friedens heißt das Ganze auch manchmal.

In der Great Hall of the People findet heute abend der Höhepunkt des Verlegertreffens statt. Eine Polizeieskorte hat die Strassen abgesperrt und bringt unsere Busse zur Halle. Eigentlich ist die Große Halle des Volkes für das Volk schwer zugänglich und nicht nur deshalb sind wir gespannt.

Zunächst schreitet man eine wuchtigte Außentreppe hinauf und gleich hinter dem schwarzen Eingangsportal erfolgt die Sicherheitskontrolle wie am Flughafen. Metallische Gegenstände werden in eine Plastikbox gelegt und der Mensch geht durch den Detektorbogen. Taschen verboten, Fotokamera verboten, Tonband verboten, alles verboten.

greathall150507.jpgDas innere des Monumentalbaus überzeugt durch diktatorische Einschüchterungsarchitektur. Hohe Decken, lange Säulen, gezogene Treppen, riesige Räume. Hier haben Mao, Zhou, Deng und Genossen das Auf und Ab des Milliardenvolkes beschlossen und beschließen lassen.

Das Bankett findet in einem riesigen Saal an gesetzten Tischen statt. Die 900 Verleger werden an jeweils 12-Personen-Tischen rund um eine breite Bühne verteilt. Auf der Bühne das übliche Potpourie Chinas: ein bißchen Peking-Oper, ein wenig Pop-Schmalz und etwas Akrobatik. Anschließend Grußworte, so wie Grußworte zu sein pflegen. Eine zierliche, hübsche Dame, die man vor ein paar Stunden noch in TV sehen durfte, moderiert perfekt in Englisch und Mandarin.

greathall4.jpgJeder Tisch hat sein eigenes Bedienungspersonal. Nach und nach bringen die Kellner Spitzengerichte chinesischer Provenienz: Muschelsalat, Garnelen, Rindfleisch, Huhn, alles dargereicht mit feinen Variationen delikater Saucen. Dazu besten Wein von in- und auswärtigen Reben. Die Verlegerkollegen an meinem Tisch, aus USA, Indien, Korea und Indonesien waren angetan. Hübsch die Zahnstocher, eigens für die Great Hall of the People konfektioniert. Ich habe einige davon mitgehen lassen, ebenso wie die Speisekarte.

Das ist das einzige was ich mitgenommen habe - und ein paar erhellende Eindrücke über Architektur und Diktatur natürlich.

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