Fotokiste: Mick Jagger

Iquitos, im Januar 1981
Stell dir vor, ein Rollling Stone kommt in den Dschungel, und keiner kennt ihn. So ist es geschehen. Bis auf ein paar eurozentrische Eierköpfe weiß hier im Urwald Perus niemand, wer der junge Mann mit dem rotblauweiß karrierten Hemd und dem zerknitterten Gesicht denn nun genau ist. Musiker, Weltstar, Schauspieler, wird geraunt. Rolling Stones? Schon mal gehört, aber genaues weiß man nicht.
In Peru Mick is nothing, brummelt er halb belustig. Denn Mick Jagger genießt es, ein Unbekannter zu sein. Er setzt sich seinen Strohhut auf, schlendert durch die Menge und durchstreift die schwüle Welt des Amazonas. Mick kann sich frei bewegen wie es ihm beliebt, er wird nicht angesprochen, nicht behelligt, keiner geht ihm auf die Nerven. Bei den Dreharbeiten zu Werner Herzogs Fitzcarraldo dreht sich alles um Claudia Cardinale, die aparte, berühmte Hauptdarstellerin aus Italien. Aber Mick, Mick is nothing in Peru.
In seiner freien Zeit filmt er mit seiner Nikon die Filmarbeiten. Er ist für die Rolle des Wilbur besetzt, das ist der Kumpan von Fitzcarraldo. Und die Sache macht ihm sichtlich Spaß. Jedenfalls bis…
Es stehen Dreharbeiten im Urwald an. Regisseur Werner Herzog hat im Wipfel eines riesigen Amazonasbaumes, in fast 30 Metern Höhe, eine Plattform aus Spanplatten bauen lassen. Auf dieser Plattform, die bei Wind hin und her weht, soll gefilmt werden. Dort oben sollen Jason Robards, der den Fitzcarraldo spielt, und Wilbur ihren Blick über die weite, üppige Amazonasflora streifen lassen. Und zum guten Ende soll in luftiger Höhe auch eine kleine Rauferei zwischen Robards und Jagger stattfinden, wobei der Kopf des einen über die Brüstung mit Blick in die Tiefe gedrückt werden soll.
Burschikos legt Werner Herzog seinen Arm um Mick Jaggers Schulter. Morgen früh gehen wir rauf, sagt Herzog zu Jagger. Und Mick schaut nach oben.
Am nächsten Morgen lässt sich Mick Jagger am Set nicht blicken. Langsam ungeduldig, geht Herzog am späten Vormittag zu Jaggers Zelt und klopft leicht gegen die Plane. Als sich im Zelt nichts regt, klopft er heftiger. Nach längerem Warten macht Jerry Hall, Micks Verlobte, die Zelttür einen Spalt auf. Mick feels sick, meint Jerry spitz, Mick ist krank. Und zieht den Verschluß der Zeltüre schnell wieder zu.
siehe auch: Fotokiste Werner Herzog
siehe auch: Fotokiste Jason Robards
siehe auch: Fotokiste Mario Adorf
siehe auch: Fotokiste Claudia Cardinale