Was Männer mögen

Was Männer mögen? Ja, da fallen mir schon zwei, drei Sachen ein. Bücher lesen ist nicht dabei. Seltsam, dass der Bertelsmann Buchclub seinen neuen Prospekt mit Was Männer mögen überschrieben hat und sich mit einem Werbeauftritt eigens an die Männer wendet. Merkwürdig.

buchclub.jpg

Denn jeder in der Branche weiß, dass sich die Männer weitgehend aus dem Buchkonsum verabschiedet haben. Zwei Drittel der Bücher werden von Frauen gekauft.Aber auch sonst strotzt der neue Club-Prospekt nur so vor handwerklichen Fehlern. Falscher Aufmacher, schwache Argumente, langweilige Headlines, falsches Trägermedium.

Das Internet als effektive Bestellplattform wird stiefmütterlich behandelt. Statt dessen die üblichen Antwortkarten, so als würde der Kohlenschipper immer noch die Kohle in den Ofen der Dampflok schaufeln. Es wundert, dass der neue Club-Chef Fernando Carro seinen guten Namen für eine solch jämmerliche Vorstellung hergibt. Merkwürdig, alles merkwürdig.

Zu Buchclubs generell: Mit seiner Abnahmeverpflichtung beeinträchtigt die Clubidee den subjektiven Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Zumal es hier eine Art Abonnement abzuschließen gilt für ein Pro­dukt, das an sich gar keine abonnementserforderliche Ware darstellt. Vorschriften, bei wem, wie oft und über welche Summe ein Kaufakt zu vollziehen sei, mögen nicht so recht ins 21. Jahrhundert passen.

Ein Buchclub für Millionen kann logischerweise nur ein Programm für Millionen verlegen, also ein Programm für alle und keinen. In diesem Umstand liegt der eigentliche Knackpunkt für die Fragilität der Clubidee: Während sich die moderne Gesellschaft immer stärker seg­mentiert, während mehr und mehr Spezialinformationen verlangt werden und die All­gemeinthemen vom Buch in das Fernsehen wandern, kann ein Buchclub mit Mainstream nur schwer dagegenhalten. Ein Wald- und Wiesen-Programm interessiert halt nur Otto Normal­verbraucher - und der hat sich schon lange vom Buch verabschiedet.

Der Buchclub hatte seine große Zeit in den 50er und 60er Jahren, als das mediale Angebot noch dürftig und die nächste Großstadt noch fern waren. Diese Erkenntnis ist bitter für die Clubmacher. Denn nichts ist so schlimm, wie eine Idee, deren Zeit abgelaufen ist.

Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?

Leave a Reply