FTD - andante furioso
Die Branchenpresse berichtet heute, dass die Hamburger Verlagsgruppe Gruner + Jahr die börsentägliche Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland, an der sie bisher 50 Prozent hielt, nun ganz übernehmen will.
Das rosa Blatt, ein Joint Venture der britischen Pearson-Gruppe und G+J, schreibt seit seiner Markteinführung im Jahr 2000 tiefrote Zahlen. Vom Leserzuspruch und von der inhaltlichen Qualität her kann die FTD wohl als Erfolg bezeichnet werden, allein es hapert an den Anzeigenerlösen.
Pearson will sich auf Deibel komm raus von seinen defizitären Anteilen trennen, mögliche neue Partner wie DER SPIEGEL winkten bereits ab. Nun hätte G+J das Kind, das so recht keiner will, allein in Händen. Die neue Strategie der Hanseaten mag sein, die FTD organisatorisch in die bestehende Kölner Wirtschaftsunit von G + J einzuverleiben.
Bei Gruner + Jahr Köln erscheinen Capital, ein Blatt mit glorreicher Vergangenheit, dann die Monatsschrift Impulse, ein Altherrrenmagazin für Selbstständige und Börse online, das wöchentlich neue Hiobsbotschaften vom Parkett vermelden darf.
Zwischen diesen Zeitschriften und der FTD sollen Synergien, insbesondere in der leidenden Anzeigenakquise, aufgebaut werden. Ein frommer Wunsch: All dies macht wenig Sinn, zumal ein Wochen- und ein Monatsmagazin, die Tageszeitung ohnehin, ganz unterschiedliche strategische Vermarktungsansätze erfordern.
Ein nettes Experiment immerhin: Wie mache ich aus vier Fußkranken einen Marathonläufer?