Fotokiste: Werner Herzog

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Bellavista, 11. Januar 1981

An der staubigen Landstraße nach Bellavista am Rio Nanay hat in der von Urwaldvegetation umrankten Villa Mercedes ein Gringo sein Quartier aufgeschlagen. Um genau zu sein, wohnt dieser Gringo nicht direkt in der zweigeschossigen Villa. Dieser weiße Mann hat sich aus dem großzügig bemessenen, bequemen Haus ausquartiert und residiert nun auf einem baumhohen Haus auf Stelzen, das er eigenhändig mitten in die Üppigkeit des Dschungelgartens gebaut hat. Hier lebt er mit seiner exotischen Freundin in luftiger Höhe inmitten von Bananen- und Yuccastauden.

Und wenn der Gringo Besuch empfängt, so muss auch dieser sich der Mühe unterziehen, die lange Sprossenleiter ins mächtige Stelzenhaus hochzuklettern. Wer bloß ist dieser seltsame Mensch, fragen sich auch die Anwohner dieses Landstrichs, der so isoliert und entfernt liegt von jenen zivilisatorisch herausgeputzten Gegenden dieses Globus.

Der Mann im Baum ist der deutsche Regisseur Werner Herzog, el Gringo alemán, wie ihn die Leute hier nennen. Und Herzog will im peruanischen Amazonasdschungel einen pompösen Film drehen, ein Leinwandspektakel, wie es sein Heimatland Deutschland, ja, die ganze Welt und das armselige Peru sowieso noch nicht gesehen haben.

Dazu muß im Urwald ein Schiff über einen Berg gezogen werden. Und Werner Herzog war in Hollywood und hat seine Idee vorgestellt. Wunderbar, sagten die Filmbosse, wir gehen in den Botanischen Garten von San Diego und lassen vor der Trickkamera dort das Schiff über einen Berg ziehen. Nein, nein, hat Werner Herzog ärgerlich gesagt, ein Schiff muß über einen Berg gezogen werden. Ein richtiges Schiff über einen richtigen Berg.

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