Gastro-Globalisierung

Die Älteren werden sich noch an die Pappkameraden mit Kochmützen erinnern, die vor den Restaurants (damals sagte man Gasthäusern) in den 60er Jahren aufgestellt waren. „Hier kocht der Chef“ stand auf dem Schild und dies verhieß meist deftige deutsche Hausmannskost. Der Pappkoch ist in unseren Tagen vollkommen verschwunden. Verdrängt von einer varian­tenreichen Küche aus jedem Winkel der Erde.

Ich weiß noch genau, wie ich vor etwa 35 Jahren zum ersten Mal beim Chinesen aß. Dies war in jenen Tagen ein exotisches Wagnis, manch einer traute sich anfangs nicht über die Schwelle zu diesen neuen Genüssen.

Heute haben alle Landstriche in Deutschland die internationalen Genüsse am Ort: italienische Pasta, griechisches Gyros, die Enchilladas beim Mexikaner, Süß-saures beim Chinesen, türkisches Lammfleisch. Aber die “gutbürgerliche” Küche heimischer Provenienz ist nicht mehr häufig anzutreffen. Über all die Jahre hinweg ist dies ein Stück Globalisierung gewesen – Kapital, Kreativität und Arbeitskraft, also das Angebot, gehen dorthin, wo eine Nachfrage vermutet wird.

Diese Gastro-Globalisierung, dieser Verdrängungswettbewerb, war sicherlich bitter für die ein­heimische Gastronomie, für den Verbraucher bedeutete er andererseits eine we­sentliche Bereicherung des Angebots. Der Konsument besaß eine größere Auswahl. Und die Abstimmung über Erfolg und Scheitern erfolgte, wenn man so sagen darf, mit der Essgabel.

Bei allem Wehklagen über die Globalisierung sollte man nicht vergessen, welche Wirkungsmechanismen diesem weltläufigen Wettbewerbs zu Grunde liegen. So ist das nämlich mit der Globalisierung: Der Bessere setzt sich durch - und die Entscheidung darüber treffen Sie.

Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?

Leave a Reply