Fotokiste: Johannes Gross

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Köln, den 3. Dezember 1993

Johannes Gross, dies darf man als Autor eigentlich nicht zu laut sagen, ist schreiberisch ein Vorbild. Das war ein Mann, der einen unglaublichen sprachlichen Reichtum besaß und einige andere Eigenschaften, auf die man als Journalist stolz sein darf: Er war unabhängig, er hatte keine Furcht vor den Mächtigen, er war hellwach, witzig auf die intelligente Art, er hatte Esprit.

Johannes Gross muß als ein homme de lettres umschrieben werden, er beherrschte die feine politische Ironie ebenso wie den philosophischen Diskurs, er war stilsicher, hochbelesen, und er war - heute würde man sagen - politisch inkorrekt.

Er schrieb seine wöchentlichen Tagebuchnotizen im FAZ-Magazin und jedes Mal waren seine Anmerkungen ein Schmaus für alle Hirnzellen, die das Arbeiten noch nicht aufgegeben hatten. Johannes Gross erreichte eine stilistische Fertigkeit, die in seinen Tagen sonst niemand erreichte. Seine Anmerkungen waren Apercus des Unangepassten, Aphorismen des Besserwissers und Sentenzen der Überlegenheit.

“Protest ist heute eine der bemerkenswertesten Formen der Anpassung.” Das ist so ein genialer Johannes-Gross-Satz aus seinen Tagebüchern. Touché. Ein Stich im Luftpolster des aufgeplusterten Zeitgeistes.

Vielen galt er als eitler Pfau und intellektueller Zyniker. Vielleicht war er das, aber es war nur der eine Teil von ihm. Das war sein Panzer. Arroganz, so hätte er wohl formuliert, ist der Schutz vor dem Mittelmäßigen. Der andere Teil von Johannes Gross kam zu vorschein, wenn man sein Interesse geweckt hatte. Dann zeigte er sich wißbegierig, als ein aufmerksamer Zuhörer, als Anekdotensammler.

Darüber hinaus blieb er in seinen privaten Momenten ein ganz normaler Mensch: Er mochte gutes Essen, trank gerne einen Rotwein, er tanzte, er liebte Frankreich, er wußte das Leben zu genießen.

Im September 1999 ist er in Köln gestorben. Ein solcher Mensch fehlt uns. Kein Publizist vermochte in seine Fußstapfen zu treten. Die Fußstapfen sind einfach zu groß. Viel zu groß!

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