Die beste Zeitung

Heute gilt es endlich einmal die Frage zu klären, welches denn die beste Zeitung deutscher Zunge ist. Nein, nicht die wirklich beste Zeitung wird hier gesucht, nicht jene mit den genauesten Nachrichten und den besten Reportagen, nicht das Blatt mit dem besten Kor­respondennetz und den edel­sten Federn.

Nein, heute suchen wir die beste Zeitung zum Prah­len und Protzen, das beste Blatt zum Angeben und Aufschneiden, jene Zeitung, mit der man als Mann bei - sagen wir mal - Verona Pooth (geborene Feldbusch, geschiedene Bohlen) am trefflichsten Eindruck schinden kann. Wir suchen, wenn man so will, die Rolex als Zeitung.

Also, welche Zeitung legt man - ganz unauffällig natürlich - auf den Rücksitz von Hummer oder Cayenne? Da macht sich doch - erster Vorschlag - die FAZ ganz gut. FAZ ist eigentlich immer gut. Dahinter steckt bekanntlich ein kluger Kopf. Wobei Kopf nicht unbedingt das Kör­perteil ist, auf den es bei dieser Zielgruppe ankommt. Womöglich wird man mit der FAZ für einen Eierkopf gehalten! Entsetzlich, nicht auszumalen! Intellekt ist doch kein Aphrodisia­kum!

Handelsblatt? Das Handelsblatt ist schon besser. Handelsblatt ist sogar Spitze zum Großtun. Die Zeitung der Bosse! Ein Mann der Wirtschaft! Nur kommt das Wirtschaftsblatt vielleicht einen Deut zu dröge daher für einen richtigen Lebemann. Manche Frauen schließen ja von der Zeitungs­lektüre des Mannes auf sein Liebesleben. In diesem Sinne ist Handelsblatt schlecht, äußerst schlecht sogar.

Wall Street Journal? Nicht übel, ha, vielleicht sogar ein Prahler-Geheimtip. In Kombination mit der NYSE-Krawat­tennadel sogar überragend. Macht doch mächtig Eindruck, Amerika, Wall Street, New York, Big Ap­ple. Obacht: Das Wall Street Journal aber bitte nur einsetzen, wenn zumindest eine Stunde English for Beginners bei der VHS belegt wurde.

BILD? Nur nicht BILD! BILD ist ein schlimmer Fauxpas. Man soll Sie doch zur Elite zählen, zu den Großen dieser Welt und nicht zur Ballermann 6-Fraktion. Obwohl, BILD ist so grot­tenschlecht zum Aufspielen, dass sie fast schon wieder gut ist. Die Süddeutsche Zeitung vielleicht? Frau wird Sie dann möglicherweise für liberal halten, aber auch ein bisserl für einen Provinzler aus Niederbayern. Liberal sind wir alle ja, aber blöd noch lange nicht.

Die Zeit? Zum Protzen höchst ungeeignet, zu dick, zu wenig Fotos. Zu lange Texte. Und letzten Endes ist man genauso schlau wie vorher. Wie steht es mit der Taz, der grün-alternativen tageszeitung aus Berlin? Nicht übel, eigentlich, so mit Sponti-Image. Aber Vorsicht: Müsli- und Birkenstock-Gefährdung.

Die Frankfurter Rundschau vielleicht? Nein, zum Renommieren arg daneben. Zu klein, zu langweilig, zu garnichts. Und sie fallen womöglich als ewig Gestriger oder Alt-68er durch – und 68 versteht man in den modernen Kreisen nicht ganz.

Die Neue Zürcher Zeitung? Das klappt, wenn Sie dezent auf Ihr Aus­landskonto und Aktien­depot anspielen (sagen Sie beiläufig „Roche habe ich shortgelistet“, weil das so gut klingt). Mit der NZZ erreichen Sie das Größtmaß an Großmauligkeit. Aber Vorsicht, die NZZ muss vom Tage sein, versteht sich, wegen der Börsenkurse.

Aber, liebe Schnösel und Möchtegern-Schnösel, am allerbesten zum Angeben bleibt immer noch ein Buch, ja­woll, ein richti­g alt­backenes, langweiliges Buch. Am besten so etwas wie die Gerhard-Schröder-Biografie, und dann schreiben wir da noch schnell selber „Für meinen alten Kumpel, Dein Gerd“ hinein. Das ist dann besser als Wall Street Journal und Neue Zürcher zusammen, das ist dann unschlagbar bei Verona!

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