Fotokiste: Acapulco

Acapulco, Januar 1989
An der mexikanischen Pazifikküste herrscht ewiger Hochsommer. Frühling und Herbst sind unbekannte Phänomene. Winter ohnehin. Um die 16 Kilometer langgezogene, sichelförmige Bucht sind riesige Hochhäuser und bombastische Luxushotels aufgestellt worden, die wie ein fein reguliertes Gebiss in den blauen Himmel ragen. Entlang der Costera fallen vor allen von November bis Februar die Touristen aus aller Welt in Scharen ein und breiten sich aus auf den feinkörnigen Sandstränden mit den Palmenbäumen, die ein wenig Schatten spenden.
Am nördlichen Ende der Bucht beginnt Acapulco tradicional, das Acapulco der Mexikaner, mit dem pittoresken Fischerhafen, den günstigen Hotels und der herausgeputzten, stildurchmischten kleinen Kathedrale Nuestra Señora de la Soledad. In der Gegend um den Zócalo herrscht wie immer ein reges Treiben.
Die Männer im Café neben dem Kirchenhaus stoßen lauthals mit ihren schlanken Coronaflaschen an, im Denny’s verdrücken die jungen Burschen der Stadt noch eine Hamburguesa, während sie mit ihren Freundinnen einen erwartungsvollen Blick in die Novedades auf die Seite mit dem Kinoprogramm werfen. Wobei der Film dann wieder nebensächlich wird, wenn das junge Liebespaar ins Dunkel des Vorführraums huscht.
In den einfachen, farbenreichen Restaurants zwischen dem Zócalo und der Teniente Azueta lassen sich verführerische Fischmahlzeiten und andere kulinarische Köstlichkeiten entdecken und in den unscheinbaren Trinkstuben kann man unter zwei Dutzend köstlich kühlender Fruchtsäfte auswählen.
Auf die flachen Häuser der Altstadt drückt die wuchtige Schwüle der Tropen und die ganze Stadt schmeckt wie der Kuss einer ersten Liebe. Die endlose Sonnenglut lässt nicht nur jeden deutlichen Klimabefund, sondern auch jedes ordentliche Zeitmaß zerrinnen. Dementsprechend besitzt die Vergnüglichkeit der Menschen und die Lebendigkeit dieser Stadt sowohl Gleichmaß als auch Unvergänglichkeit.
Die Acapulqueños gehören zu einem Menschenschlag, der von Sonne und Meer verwöhnt, das Leben in all seiner Unbeschwertheit und all seinem Wohlbehagen auszuleben versteht. Dazu gehört die lockere Extrovertiertheit ebenso wie eine spürbare Sinnenfreude. Kein Zweifel, Acapulco is the sunny side of life.
siehe auch: Fotokiste Teddy Stauffer in Acapulco
siehe auch: Fotokiste Bahia de Puerto Marqués