So what?

Come to Marlboro Country and let’s make things better! Man merkt es allerorten: Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Vor allem aber merkt man es der Sprache an. Ohne Englisch geht nichts mehr in unseren Tagen.

Ob Airbag, Flirt, flat rate, prepaid card oder American Beauty – die Produkte im Schaufester der modernen Welt sprechen zumeist Englisch. Ich frage mich manchmal, ob meine Großmutter bei all diesen City Center, Shopping Malls und Fast Food noch ihr Säckchen Kartoffeln gekauft bekommen hätte. Naja, ein halbes Kilo Potatoes sagt man ja noch nicht, wird aber bestimmt kommen.

Die sprachliche Offensive, die da aus den USA auf uns zukommt, fegt übers deutsche Ländle wie ein Orkan. Für viele Begriffe des modernen Alltags gibt es schon gar keine gescheite deutsche Entsprechung mehr: Shareholder Value, Key Account Manager oder bei der B-to-B E-Commerce-Studie des Vereins deutscher Ingenieure versucht man sich besser nicht an einer Übersetzung.

Denken Sie mal an den Computer! Der hört sich ja schon ziemlich deutsch an, weil wir uns einige Jahre an ihn gewöhnen durften. Aber wie steht es mit surfen, browsen, googlen, scannen oder downloaden? Was ist das denn für eine Sprache? Englisch, Denglish oder doch schon Deutsch?

Der Imitationsdrang der Deutschen geht gar soweit, dass englisch anmutendende Begriffe erfunden werden, die es im Englischen so gar nicht gibt. Was um Himmels Willen ein Handy ist, wird kein Engländer erläutern können und der Talkmaster ist eine urdeutsche Spracherfindung, unter der sich ein Amerikaner wenig bis nichts vorstellen kann.

Kein Zweifel, das 21. Jahrhundert ist auch das Jahrhundert der englischen Sprache. Eine solche Feststellung ist in etwas so intelligent wie die Behauptung, “im Sommer wird es warm”. Englisch ist eigentlich keine Fremdsprache mehr, sondern eine offiziöse Zweitsprache in Deutschland. Das ist gut so, tut auch nicht weh. Die Menschen haben hierzulande schon immer zwei Sprachen gesprochen. Früher waren dies Deutsch und der jeweilige regionale Dialekt. Nun, die kleine Scholle verlassend und die Welt im Blick, ist dies Deutsch und Englisch.

Soll man sich nun gegen die Invasion der Anglizismen wehren? Ihnen Paroli bieten wie die Franzosen, wo eine Regierungskommission für das e-mail die gewundene Übersetzung messagerie électronique erfinden musste. Im Lande von Asterix, wo es per ordre de Mufti verboten ist, sich all zuviel den anglosprachlichen Verlockungen hinzugeben.

Diese sprachliche Abschottung der Franzosen in einer Welt, in der nationale Grenzen und Barrieren immer unwichtiger werden, kann letztlich nur zur kulturellen und wirtschaftlichen Isolation des gesamten Landes führen. Die USA haben im Laufe ihrer Geschichte gezeigt, dass die Zuwanderung von Menschen und deren Sprachen den Reichtum einer Kultur mehren kann. Das klassische Einwanderungsland Amerika hat das Neue und Ungewohnte immer als Bereicherung und weniger als Gefahr des Bestehenden aufgefasst.

Impulse von außen – seien sie sprachlicher, kultureller oder wirtschaftlicher Natur – stellen Althergebrachtes in Frage, öffnen das Denken und sorgen für Dynamik. Wer sich einkapselt – ob sprachlich, politisch oder wirtschaftlich – erzeugt Stillstand und Lähmung. Bei der Nutzung der Sprache sollte nicht die Herkunft eines Wortes, sondern dessen Leistungsfähigkeit entscheidend sein.

Glücklicherweise leben wir in einer freiheitlichen Demokratie, die uns auch die freie Produktwahl gestattet. Und letztlich wird der Verbraucher entscheiden, ob sich der gute alte Hausmeister hält oder doch ein Facility Manager im Wettbewerb der Wörter durchsetzt.

Und wenn der Zeitschriftentitel Fit for Fun eingängiger daherkommt als meinetwegen Bereit für Spass, dann bleiben wir halt bei Fit for Fun. Take it easy, wir leben im 21. Jahrhundert.

Wie beurteilen Sie diesen Beitrag?