Pferdemist

Ich mißtraue Prognosen. Vorhersagen, so nach dem Duktus: Die Mauer wird in 100 Jahren noch stehen! Bald werden Bücher nur noch über “amazon” verkauft! In wenigen Jahren wird die Erde überbevölkert sein! Die Grenzen des Wachstums sind erreicht! Das Erdöl geht uns aus! Das Klima der Erde wird sich in den nächsten 50 Jahren um 1,7 Grad erwärmen!

In den ersten Semestern Volkswirtschaftslehre hört man folgende Anekdote: 1879, die Pferdekutsche begann sich rasch durchzusetzen, prognostizierten englische Statistiker, dass London 1910 im Pferdemist versinken würde. Der Abfall von Pferdekarren und Pferdekutschen wurde korrekt hochgerechnet, 1910 würde der Pferdemist einen Meter hoch liegen, die Strassen Londons unpassierbar.

Es kam bekanntlich anders. Solch lineare Hochrechnungen lassen jedweden Technologieschub und allen Produktivitätsfortschritt völlig ausser acht. Dann kommt halt ein Carl Benz mit seinem Automobil, die Pharmazie entwickelt die Anti-Baby-Pille, das Technologie-Zeitalter bricht an, das Volk lässt sich die Mauer nicht mehr gefallen.

Die Geschichte der Menschheit ist eine Abfolge von prognostischen Fehldeutungen. Es bleibt dabei: Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Mark Twain.

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