Erfolgsrezept Periodisierung

Sonntags Kaffeeklatsch bei Winfired Ruf und seiner charmanten Frau in Mering bei Augsburg. Ruf hat in den 80er Jahren den WEKA-Verlag aus Kissing zu nie gekannter Blüte geführt und ist seitdem als einer der wichtigen Konzeptionsstrategen in der Medienbranche unterwegs. Nach Kaffee und Kuchen, unsere Frauen haben sich zum Plausch zurückgezogen, hält es zwei alte mediale Ackergäule wie uns nicht ruhig an der Tafel.

Was denn so die Erfolgsrezepte für ein gutes Medienhaus seien? Wir beide werfen ein halbes Dutzend Kriterien in die Diskussion und bei einem Begriff, den Winfried Ruf erwähnt, sind wir beide elektrisiert: Periodisierung. Medienprodukte, inhaltlich wie vertrieblich, periodisch anzubieten, erleichtert das Geschäft ungemein.

Hier sind wir dann auch bei einer Schwäche des Buches. Das Buch ist a priori kein periodisierbares Produkt, jedes Exemplar muß einzel verkauft werden, nach einem Kaufakt für 9,80 Euro beginnt mühevoll der nächste. Und das Ganze wieder von vorne. Bestrebungen, das Buch zumindest vertrieblich zu periodisieren, sind allesamt gescheitert. Die Buchclub-Idee konnte nur in den Mangeljahren der Nachkriegszeit funktionieren, heute – in Zeiten einer exzellenten vertrieblichen Infrastruktur – ist die Buchclub-Idee mausetot.

Winfiried Ruf hat mit dem WEKA-Verlag schon früh vorgemacht, wie Periodisierung funktioniert. WEKA war damals mit seinen Loseblattwerken und Fachinformationen der Branche damals sicherlich 3 bis 4 Jahre voraus. Auch wenn heute das Loseblattwerk das Saurierschicksal erleidet, so bleiben noch genügend Produkte, die sich medial periodisieren lassen: Newsletter, Infodienste, Fachinformationen, Kalenderthemen.

Zeitungen und Zeitschriften, so sie denn abonnementsgetrieben sind, unterwerfen sich per se der Periodisierung. Der Kunde bezieht eine Zeitung – ein Periodikum – nicht nur einmal, sondern ein ganzes Jahr, eventuell gar ein ganzes Leben. Und erhöht den Cashflow des Verlages, durch seine Vorfinanzierung, erheblich.

Doch viele periodische Produkte aus der Printwelt stehen auf Grund geänderten Rezeptionsverhaltens unter Innovationsdruck. Genau an dieser Schnittstelle ist die Herausforderung dieser Tage zu finden: Wie gelingt es, die Periodisierung als Geschäftsmodell in die digitale Welt hinüber zu retten?

siehe auch: Erfolgsrezept Spezialisierung