Fotokiste: Jürgen W. Möllemann

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Düsseldorf, 21. Mai 1992

Als Jürgen W. Möllemann im Januar 1991 im Kabinett Helmut Kohl zum Wirtschaftsminister ernannt wurde, bemühten sich Hero Kind und ich, ihn als Buchautor zu gewinnen. Ein merkwürdiger Mensch, dachte ich, als ich ihn näher kennen lernte. Möllemann hatte den Ruf eines politischen Hallodris, in der breiten Öffentlichkeit galt er als medialer Luftikus. Als wir jedoch in der Umgebung des neuen Bundesministers nachfragten, da hörten wir nur Lob. Möllemann sei fleißig, er lese Akten, arbeite sich in die Materie ein, er sei sachkundig und ordungspolitisch klar im Denken.

In jenen Jahren traf ich Möllemann zwei, dreimal, meist in seinem Bonner Ministerium. Auf mich wirkte er stets sympathisch, offen, humorvoll und interessiert. Im Mai 1992 kam er zum “Zukunftstag” auf die Düsseldorfer Messe und hielt eine bemerkenswerte Rede. Anschließend beantwortete er die Fragen des Publikums charmant und gekonnt. Nach der Veranstaltung habe ich vom Podium seinen Spickzettel zu den Fragen mitgehen lassen.

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Unser Buch war fertig konzipiert, alle Verträge unter Dach und Fach, ein guter Ghostwriter gefunden, und am Manuskript wurde schon fleißig gearbeitet. Es kam dann, wie so häufig bei Möllemann, eine Affäre in die Quere.Anfang 1993, beim sogenannten “Briefbogen-Skandal” hatte der Minister auf offiziellem Ministeriums-Papier Empfehlungen für die Einkaufswagen-Chips der Firma seines Vetters getätigt. Möllemann, zu dieser Zeit auch Vizekanzler, trat schließlich zurück. Das Buchprojekt war gestorben.

Am 5. Juni 2003 ist Jürgen Möllemann bei Marl-Loemühle in den Tod gesprungen. Während eines Fallschirmsprungs klinkte er sich aus dem Hauptschirm aus und öffnete den Notschirm nicht. Er prallte ungebremst zu Boden. Rumms. Aus. Ende. Eine andere Affäre. Er hätte sie auch aussitzen können. Ein merkwürdiger Kerl.

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