Tölpel sucht Tussi

Montagabend, kurz nach neun, explodieren bei RTL die Quoten. Die Doku-Soap “Bauer sucht Frau” lockt regelmäßig mehr als 8 Millionen Zuschauer vor den Schirm, das sind mehr als ein “Tatort”-Krimi und kommt fast an ein Fußball-Länderspiel heran.

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Das Konzept von “Bauer sucht Frau” ist zunächst simpel: Junge und nicht mehr ganz so junge Vieh- und Getreidebauern, der Liebe entwöhnt, werden via RTL mehr oder weniger attraktive Städterinnen zugeführt, die dann zwischen Kuhstall und Heuschober dem Bauern näher kommen sollen. Und umgekehrt natürlich.

Das Format spielt höchst raffiniert mit zwei populären Themen. Da ist zum einen das eskapistische Moment, die Flucht auf’s Land, in eine Welt ohne Hartz IV, ohne Dabbeljuh Bush und einen Lokomotivführerstreik gibt es auch nicht. Es ist zudem die Flucht in eine einfache Welt, die vor unserer Haustüre liegt, von der wir aber vergessen haben, das es sie noch gibt.

Das zweite Element bricht ironisch mit dieser heilen Welt, denn diese Welt ist so heil nicht, weil ihr die Frauen fehlen. Jedenfalls die jungen Frauen, die Bräute, mit denen man, wenn sie über einen hereinbrechen, oft nicht so recht weiß, wie alles anzupacken ist. Es ist schon tragikomisch, wie ein frauenentwöhnter Bauer, dann in all die Fettnäpfchen tritt, die so zwischen Mann und Frau liegen.

Wenn der Bauer die Braut am Bahnhof den schweren Koffer tragen lässt oder er bei Regen unter den einzigen Regenschirm schlüpft und die Frau im Nassen stehen lässt. Das ist hübsch und komisch anzusehen, wahrscheinlich weil es an unser eigenes Fehlverhalten erinnert.

Denn niemand mag behaupten, dass wir singlesierten Stadtmenschen und familiären Patchworker uns in Beziehungsfragen mit Ruhm bekleckern. Deshalb macht sich bei “Bauer sucht Frau” die Tussi lustig über eine Tussi, die sie eigentlich nicht sein mag. Und wenn wir über den Tölpel lachen, dann lachen wir im Grunde über den Tölpel in uns.

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