McKinsey
In dem köstlichen Buch „Manager sind auch Menschen“ von Leo Brawand gibt es eine herrliche Karikatur von Wolf Erlbruch. Der gestresste Manager sitzt mit seiner Ehefrau im Flugzeug auf Wochenendtrip, will sich entspannen, und da meint seine Frau spitz: „Ach ja, ich vergaß zu sagen, da hat gestern jemand für dich angerufen. Ein McKinsey, oder so…” Das Gesicht des Managers läuft in Sekundenschnelle dunkelrot an.
Die Unternehmensberater à la McKinsey und Kollegen stehen für die Straffung insbesondere in Ablauforganisation und Personalbereich. Wo McKinsey prüft, da regiert die Axt im Walde. Wenn der Name McKinsey fällt, fährt deutschen Verlagsleuten der Schrecken in die Glieder. Und für die McKinseys sind Verlage ein gefundenes Fressen. Flugs holen die Consultants ihr schlaues Kennziffernbüchlein der Betriebswirtschaft heraus – Pro-Kopf-Umsatz hier, Umsatzrentabilität dort, Lagerumschlag hin, Personalintensität her – und die Verleger stehen stumm da, so als würden finnische Universitätsdozenten mit italienischen Olivenbauern reden.
Vieles was die McKinseys herausfinden ist wohl richtig, dafür braucht’s aber kein Abitur. Und: McKinsey im Haus ist keine Garantie für gute, verkäufliche Zeitschriften oder Bücher. Wenn McKinsey ein Krankenhaus unter die Lupe nimmt, dann werden doch nicht plötzlich alle Kranken gesund.
Die McKinseys sind Betriebswirte, keine Verleger. Beim erfolgreichen Verlegen öffnet sich eine Welt, die sich mit den McKinsey’schen Kennziffern nicht messen läßt. Beim Verlegen braucht es Talent, eine gute Nase, eine sichere Hand, Fortune, Fleiß, eine genaue Kenntnis des Lesers, Werbepfiffigkeit. Und vor allem: Leidenschaft!