CAPITAL, eine Rose, welk
CAPITAL, das vierzehntägliche Wirtschaftmagazin, auf dem Schreibtisch. Traurig, was aus diesem einstigen Star der Magazine geworden ist. Tristes Layout, Kolumnisten, die nicht schreiben können, Themen, die nur Gähnen provozieren. Dazu die recht merkwürdigen Editorials des jungen Chefredakteurs.
Waren das noch Zeiten als Rolf Prudent, Ralf-Dieter Brunowsky, André Kostolany und vor allem Johannes Gross das Gesicht dieser Zeitschrift prägten! Elegant, tiefgründig und voller Esprit kam das Magazin jeden Monat daher.
Der Sündenfall ereignete sich im Januar 2000. Da wurde CAPITAL vom monatlichen auf den 14täglichen Erscheinungsrhythmus umgestellt. Eine Entscheidung, die dem überbordenden Anzeigenaufkommen der Boomjahre der New Economy geschuldet war. Da hat man das Zeitschriftenmachen mal wieder nicht vom Journalismus, sondern vom Geld her gedacht. Das trostlose Ergebnis ist heute zu besichtigen.
Aber es sind nicht all die publizistischen und verlegerischen Fehler, die bei CAPITAL den größten Schmerz verursachen. Am schlimmsten ist, dass das Heft heute so oft gegen das erste Gebot des Journalismus verstösst: “Du sollst deine Leser nicht langweilen!”